Modul: Flugphasen, Procedures und Checklisten (FLS02)

Aus VATSIM Germany
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Dieses Modul aus der Kategorie: Flugsteuerung und -betrieb behandelt die allgemeinen Abläufe in einem Flugzeugcockpit während der verschiedenen Flugphasen. Insbesondere wird auf die Begriffe Procedures und Checklisten näher eingegangen. Dafür werden keine anderen Module vorausgesetzt.


Vorwort

Wer hatte nicht schon ein Erlebnis dieser Art :

  • In der Hektik des Anfluges vergessen das Fahrwerk auszufahren == das knirscht so schön
  • ILS Sender und/oder Anflugkurs nicht korrekt eingestellt == verirrt
  • Klappen oder Fahrwerk bei zu hoher Geschwindigkeit ausgefahren – nicht jeder Flusi verzeiht solche einen Fehler == Systemrealismus !!
  • Flightdirector oder/und AutoThrottle vergessen einzuschalten, merkt man erst wenn der Flieger aus unerklärbarem Grund in der Luft langsamer wird …..
  • Autopilot nicht aktiviert == kommt gerne vor bei der B737/757 Schalterleiste
  • Wie bekomme ich die Turbinen an == ohne BleedAir gar nicht
  • Warum laufen die Turbinen trotz BleedAir nicht hoch ?? == weitere Verbraucher aktiv ?
  • Zu lange geforscht, Batterie leer == gerne bei der Cessna

Wenn man Flugvideos der realen Art in z.B. YouTube anschaut, sieht man, dass die Piloten in verschiedenen Phasen des Fluges Checklisten abarbeiten; dies gilt allgemein für die gesamte Luftfahrt. Diese Listen liegen entweder als Papier vor oder ein Flugzeugsystem zwingt zur Abarbeitung.

Nachfolgend sollen einige Wege beschrieben werden, die als Hilfestellung dienen.


Begriffsdefintion

Procedure: Eine Procedure beschreibt eine Standardsituation (Anlassen Triebwerke, Holdings) oder Abnormal Situation (Reaktion in Notfällen) vor / während und nach dem Flug.

Checkliste: In einer Checkliste sind die notwendigen Schritte definiert um z.B. zu prüfen ob alle Schritte des Anlassens abgearbeitet wurden und das Ergebnis, hier die laufenden Triebwerke, eingetreten ist.

Item: Einzelschritt oder Step einer Procedure.

Flow: Ablauf der Schritte einer Procedure, die notwendigerweise nacheinander ausgeführt werden müssen und keine Sprünge erlauben.


Flugphasen

Das nachfolgende Bild verdeutlicht, in welchen Phasen des Fluges Überprüfungen der Systeme oder Einleitung von Flugphasen notwendig sind, für die eine Checkliste notwendig ist.

Phasen-Checkliste.jpg

Für alle diese Phasen und/oder auch Procedures gibt es im Grunde Checklisten Items, die geprüft werden müssen. Ebenso sollten Checklisten für unsere virtuelle Welt z.B. Shared Cockpit unterstützen, in dem Pilot und Co-Pilot die Checklisten gemeinsam abarbeiten. Dadurch wird die Simulation natürlich noch realistischer und stellt eine besondere Herausforderung dar, wenn Pilot und Co-Pilot nur virtuell nebeneinander sitzen.

Die klassische Einteilung der Flugphasen - auch z.B. in Wikipedia oder auch in euren Handbüchern der Flugzeuge abzulesen - sind:

  • Rollen - dazu sind Freigaben der Ground oder Towerlotsen notwendig
  • Start - Auffahren auf die Startbahn nach Freigabe durch Tower und Beschleunigen zum Abheben
  • Anfangssteigflug - "initial climb" welche pro Flugplatz variiert, sollte während der Flugvorbereitung geprüft und eingehalten werden
  • Steigflug - nach Freigabe durch Departure Controller zur Reiseflughöhe oder einer Zwischenhöhe
  • Reiseflug - geplante Reiseflughöhe bis zum Top of Descent
  • Sinkflug - zum Erreichen des IAF einer STAR des Zielflughafens
  • Landeanflug - vom IAF einer STAR des Zielflughafens bis zur Landung (hier gibt es in der Literatur noch Zwischenschritte), inkl. entsprechender Vorbereitung wie AutoBrake setzen, Ailerons aktivieren etc.
  • Landung - hoffentlich auf der geplanten und freigegebenen Piste, mit den notwendigen Tätigkeiten wie Abfangen bzw. Stabilisieren, Aufsetzen, ggf. Schubumkehr, Bremsen und Ausrollen
  • Rollen - zum Parkplatz

Während oder bei den Landeprozeduren gibt es noch weitere mögliche Flugphasen wie:

  • Fehlanflug - Durchstarten
  • Warteverfahren - Halten über einem bestimmten Navigationspunkt bzw. mittels eines veröffentlichten Warteverfahrens

Im weiteren Sinne gehören zu den Phasen auch alle notwendigen vorbereitenden oder nachbereitenden Tätigkeiten wie:

  • Flugplanung bzw. -vorbereitung - Wetterinformation Start- und Zielflughafen und Streckenwetter
  • Vorbereitung am Boden - u.a. FMC Programmierung
  • Rollen - haben wir bereits oben beschrieben, wird steng genommen nicht zu den eigentlichen Flugphasen gezählt; bei VATSIM befinden wir uns hier jedoch bereits auf kontrollierten Plätzen bereits im Zuständigkeitbereich von ATC, weshalb wir diese Phase in die Flugphasen mit aufgenommen haben
  • Flugnachbereitung

Ein Beispiel zur Vorgehensweise

Was aber tun, wenn das gekaufte Flugzeugmuster über keine gute, heißt vollständige, Dokumentation verfügt, man aber dennoch nichts in der Vorbereitung oder in den Flugphasen vergessen will.

Es gibt dafür mehrere Lösungswege:

  • Suche auf der Webseite des Herstellers nach Dokumentation Updates
  • Suche im Internet nach Checklisten des Flugzeugmusters
  • Erstellen einer eigenen Checklisten Sammlung für den Lieblingsflieger

Für die Wege 1 und 2 gilt: das gefundene muss genau gelesen werden und es ist zu prüfen ob und in wie weit es für den Flug brauchbar ist ggfs muss nachgeändert werden, werden auch die Zusammenhänge erläutert?

Weg 3 ist der aufwändigste überhaupt, gilt es doch die Dokumentation des Flugzeuges zu lesen und sich die Reihenfolge der Handgriffe genau zu erarbeiten. Bei einer tiefen und detaillierten Implementierung des Flugzeuges sind einige Schritte notwendig bis zum Beispiel das System über genügend Spannung DC and AC verfügt um mit den anderen Flugzeugsystemen arbeiten zu können.

Beispiel: Captain Sim C130 für FS9/FSX

Man glaubt kaum, dass für diesen alten Flusi bereits eine so tiefe Systemimplementierung möglich war.

  • APU an heisst noch lange kein Strom, die Batterie wird auch schwächer.
  • AirTurbine muss aktiviert werden damit der Switch für den ATM Generator wirkt
  • BUS Schalter müssen korrekt stehen damit der Strom dann verteilt werden kann
  • Der entsprechende Schalter im Panel muss gesetzt werden um die Quelle zu aktivieren
  • BleedAir kommt nicht automatisch zu den Triebwerken, hier sind Schalter zu bedienen, vergisst man diese – heult keine Turbine
  • Lüftungsklappen müssen geöffnet werden, sonst wird’s den Triebwerken zu warm
  • Die Propeller Synchronisation muss aktiviert werden damit über ein Referenztriebwerk die anderen Blätter gleich laufen, wenn man das vergisst sieht man das in der Aussenansicht

Klar, moderne Flugzeugmuster nehmen hier vieles ab und man muss nicht mehr wie zur Steinzeit die Panels abarbeiten.

Aber man kommt über eine Checkliste nicht hinweg, dies schon deshalb, damit man sich sicherer fühlt in der Bedienung seines Lieblingsfliegers. Auf der einen Seite wollen wir ein möglichst realistische Simulation mit ATC und allem Drum und Dran, das bedeutet andererseits dass wir uns innerhalb des Systems auch so viel Realismus wie möglich gönnen.

Erarbeitung einer Procedure und Checkliste

Tools dafür hat fast jeder auf seinem PC, sei es Excel oder Word oder kostenfreie Software-Alternativen. Tabellen in Excel und Word sind leicht anzulegen und mit Inhalt zu füllen.

Hat man das Format bestimmt geht es nur noch um Inhalt, dabei empfiehlt es sich die schrittweise Vorgehensweise zu dokumentieren, auch mit Schalterstellungen etc. der Zeichensatz ist dazu da.

Das Ergebnis

Das nachfolgende Bild verdeutlicht die Procedure Start-Engines in zwei Phasen, die Items müssen zwingend so durchgeführt werden sonst läuft entweder kein Triebwerk oder der Strom fehlt oder die APU ist aus und man fängt von vorne an.

Procedure-Start-Engines.jpg

Die vorliegende Liste und andere, die während des Fluges und des Anfluges benötigt werden, wurden selbst mit Excel erstellt. Die Schalterstellungen sind mit / \ und - gekennzeichnet. Die Erarbeitung aller Listen hat einige Stunden gekostet, viel Lesen im technischen Manual – das sehr gut aber oft auch verwirrend ist – dies deshalb da man den Bezug und die Wirkung unterschiedlicher Systeme nicht erläutert bekommt, sondern nur die Funktionsweise von System A, nicht aber, dass dazu auch System B und C ON sein müssen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, da man mit einer Checkliste nach längerer Pause oder Nutzung eines anderen Musters schnell wieder im Cockpit Klarheit hat.


Eine wichtige "eigene" Checkliste

Beim Anflug eines Flughafens ab IAF der STAR kann es vorkommen - sehr oft sogar - dass die STAR nicht so geflogen werden kann wie im FMC programmiert. Die Controller spielen gerne Hase und Igel mit den Piloten und geben Headings (Vektoring) und Höhen vor für den kontrollierten Abstieg.

Hier muss man nun in der Lage sein die Höhe und Richtung mit den diversen Verstellschrauben des Cockpits zu kontrollieren, zusätzlich könnten Geschwindigkeitsänderungen als auch Luftdruckänderungen durchgegeben werden die auch eingestellt werden müssen.

Um der Geschwindigkeit der Änderungen hinsichtlich Richtung, Höhe und Geschwindigkeit folgen zu können, bietet sich an diese Werte in Form einer Tabelle zu merken falls man sich nicht alles im Kopf speichern kann. Ist dies nicht der Fall und man will nicht ewig "Say again" zum Controller sagen kommt man um Papier und Bleistift nicht herum.

Diese Anregung von Ben wurde gestestet und soll hier nur als Beispiel dienen, jeder kann sich seine eigene Form entwickeln.

Checkliste-Anflug.png

Die Pfeile nach links und rechts sind für die Headings gedacht, die Pfeile nach oben und unten für die Höhe, das "V" bedeutet Geschwindigkeit und die nächste Spalte ist für QNH Änderungen gedacht. Natürlich kann man sich selbst weitere Symbole in einer Tabelle merken - zuviel sind der Übersichtlichkeit abträglich.

Fazit

Ohne Checklisten geht es nicht, um notwendige Schritte nicht zu vergessen und keine Panik im Cockpit ausbrechen zu lassen. Mancher Pilot loggt sich dann einfach aus VATSIM aus und es ist ihm aber damit nicht geholfen und seiner Motivation schadet das ebenfalls.

Im PTD Kurs werden wir uns in einer kurzen Session dem Thema widmen und Hilfestellung für die Erarbeitung von Checklisten für ein Flugzeugmuster anbieten.

Genau wie es notwendig ist, dass ein Pilot seine Maschine kennt und die einschlägigen Dokumentationen gelesen hat, setzen wir dies auch voraus.